· 

Einzelheiten zu Gemeinsamkeiten

Die letzten Ferien verbrachten unser 9-jähriger Sohn und ich auf engstem Raum miteinander.

Erst im selben Bett bei den Großeltern, dann drei Tage im selben Bett in einem AirBnB Zimmer, dann zwar in separaten Betten, aber im selben Raum vierzehn Tage in der Ferne. Diese “enge” Zeit war für mich gar kein Problem. Im Gegenteil. Es ist im Urlaub einfach schön das Kind in der Nähe zu wissen, wenn man sonst im Alltag nur den Morgen und den Abend miteinander teilt. Und Ausnahmesituationen, wenn sie mit Urlaub zu tun haben, sind ja eher eine willkommene Abwechslung.

Nach unserer Rückkehr fand dann jeder wieder in sein Bett und in den Alltag zurück. Vorerst. Nach ein paar Tagen Schule wollte unser Sohn doch gerne mal wieder bei uns schlafen und fand es sehr prima, daß wir es ihm erlaubten. Plötzlich fand er fast jeden Abend einen Grund, warum es besser sei bei uns zu schlafen. Entweder weil ich später kam und der Papa ja noch ein Plätzchen frei hatte im Bett oder andersherum.

Oder weil er schlecht träumte oderoderoder. Wir konnten ihn trotzdem oft überreden, doch in seinem Bett zu bleiben. Eines Abends erzählte ich meiner Mutter davon, daß der Sohn gerade mal wieder so eine Phase hatte, woraufhin meine Mutter meinte, ich solle ihn nicht so verwöhnen, er sei ja schon ein richtiges Mamasöhnchen und werde es sonst später schwer haben sich zu lösen. Ich gebe eigentlich nicht viel auf solche Aussagen, wenn mein Bauchgefühl sagt, es ist schon ok, wie ich handele. An diesem Abend hatte ich aber tatsächlich keine Lust auf Drängelei im Bett, wollte meine Ruhe, einfach mal lange lesen, mit der Zeitung ungehemmt rascheln und kein Kindergeschnarche neben mir. Ich begleitete ihn in sein Bett, woraufhin er fürchterlich traurig war und meinte, immer sei er hier so alleine, er hätte keine Geschwister und überhaupt, warum hat er eigentlich keine Geschwister, können wir das nicht bitte sofort ändern!

Rums das saß.

Tja, daß wir uns entschieden haben, ein erwachsener (Patchwork) Sohn und ein kleinerer gemeinsamer Sohn sind genug hat mit vielem zu tun. All die guten und weniger guten Gründe sind hier, hier und hier erwähnt.

Was ich dem 9 jährigen erklärte. Wenngleich wir beide dann ein bisschen traurig waren, weil eigentlich nichts wirklich gegen ein Geschwisterkind spricht (ausser tatsächlich die biologische Uhr mit 40), versuchte ich ihm die positiven Seiten aufzuzählen und machte ihm Mut, daß er ja nicht allein sein muss. Der erwachsene Bruder käme doch öfter vorbei und wenn er auch erwachsen ist, hätte er bestimmt viele Gemeinsamkeiten mit dem Bruder und sie könnten sich öfter sehen. Ausserdem hat er ja Freunde, die bei ihm übernachten, mit denen er sich auch oft trifft und er könne sich ja Freunde als “Geschwisterersatz” aussuchen. Vielleicht die kleine Tochter der Nachbarn, die auch auf seine Schule geht. Die könne er beschützen. Oder seinen besten Kumpel, der auch Einzelkind ist. Die könnten fast bessere Freunde sein als Geschwister.

Das Thema beschäftigte mich dennoch nachdem er eingeschlafen war.

Mein Mann und ich sind Einzelkinder. Und wir beide hatten uns immer Geschwister gewünscht, waren aber beide glückliche Einzelkinder, die als Heranwachsende viele Freunde hatten und noch haben. Wir haben das quasi gut kompensiert.

Wenige Tage später beim Judokurs des Sohnes kam ich mit dem Papa eines Judokumpels ins Gespräch darüber, wie gut sich die beiden Jungs verstehen und ich bot an, daß wir uns doch abwechseln könnten, die Kinder hinzubringen und abzuholen, da wir den gleichen Weg haben. Über die KidPick-App haben wir dann unsere Kontaktdaten verbunden und gleich den nächsten Abholtermin angelegt. Es dauerte keinen Tag, da kam von dem Judokumpel eine Anfrage für eine Spielverabredung am selben Tag über die sich unser Sohn sehr freute. Wir stimmten zu, daß die beiden bei uns zuhause spielen und zack fortan waren sie vier Tage unablässig inklusive Übernachtung beim einen oder beim anderen. Der Papa des Judokumpels erwähnte, daß sich sein Sohn immer einen Bruder gewünscht hat und er in unserem Sohn das Gefühl hätte, den Bruder gefunden zu haben…umgekehrt schien es ähnlich zu sein. Unser Sohn war äusserst zufrieden. Und ich dankte dem Schicksal! Denn das schien entschieden zu haben, daß es unserem Sohn durchaus gelingen kann ohne Geschwister klarzukommen. Dafür mit guten Freunden. Nach vier Tagen, ergab sich durch das Winterferienende und andere Verabredungen eine Pause in der intensiven ”Bruderzeit“. Und irgendwie schien der Sohn darüber überhaupt nicht unglücklich zu sein. Im Gegenteil. Sein Bett für sich zu haben. Die Ruhe geniessen. Kein Mensch, der neben einem schon schnarcht während man noch lesen will. Hach, herrlich manchmal Einzelmensch zu sein!

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0

KidPick UG (haftungsbeschränkt)

info@kidpickapp.com


Mitglied im Netzwerk »Digitale Elternhelfer«