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Stärken und Schwächen in der Schule

Manchen fällt malen leicht - manchen nicht
Manchen fällt malen leicht - manchen nicht

Schule - neuer Lebensabschnitt

Wenn die Kinder in die Schule kommen, beginnt ein neuer, für alle ziemlich spannender Lebensabschnitt. Wie wird mein Kind zurecht kommen? Was wird Spaß machen? Was wird ihr/ihm leichtfallen? Es braucht eine Zeit, bis wir dafür einen Blick – oder noch besser: ein Gefühl – bekommen. 

Das ist aber einfacher gesagt als getan – denn die Schule macht es uns nicht leicht. Sie ist für viele der Ort, an dem unsere Kinder zum ersten Mal Bewertungen ausgesetzt sind. Es werden unweigerlich Vergleiche angestellt und nicht selten Fähigkeiten und Eigenschaften eingeteilt in Stärken und Schwächen. Für uns Eltern ist das ziemlich ungewohnt, dass unser Kind solch einem kritischen Blick unterzogen wird. 

Ich kann mich noch an Gespräche mit Lehrerinnen und Lehrern meiner Kinder erinnern, bei denen ich das Gefühl hatte, mein Kind wird einem regelrechten „Schul-TÜV“ unterzogen. Es gab keine größeren Probleme – doch an was ich mich erinnere, sind Sätze wie „Ihr Sohn hat eine schnelle Auffassungsgabe…“ (Das war die Stelle, an der ich mich freute), die dann aber weitergingen mit „…aber er kann einfach nicht lange stillsitzen.“ (An der Stelle ließ meine Freude merklich nach.) Über das „Aber“ habe ich mich damals sehr geärgert und ehrlich gesagt tue ich das heute immer noch. Ich bin aus diesem Gespräch nicht mit dem Gefühl „Alles läuft soweit gut“ raus, sondern habe mich gefragt, wie ich was an den vermeintlichen Schwächen machen kann, was meinem Sohn helfen könnte und hatte Sorgen, dass diese kleine Facette meines Kinder vielleicht in seiner Schullaufbahn ein Problem werden könnte, wenn ich jetzt nicht irgendwas tue. Im Nachhinein völlig überzogene Ängste, aber in dem Moment war ich verunsichert und zweifelte an meiner Erziehungskompetenz.

 

 

Nehmt die Stärken und Fähigkeiten in den Fokus!

Was kann Dein Kind besonders gut? Vielleicht malt es tolle Bilder, ist wahnsinnig sportlich, kann sich hervorragend selbst beschäftigen oder hat ein unglaubliches Gespür für Tiere? Super! Gebt ihr/ihm den Raum dafür und die Rückmeldung, dass das wunderbare Fähigkeiten sind, auf die es stolz sein kann. Wir Eltern neigen dazu, das oft abzutun und Gedanken wie „Was soll das Kind damit später mal anfangen?“ kommen uns in den Sinn. Aber ganz ehrlich: Natürlich ist es wichtig, dass Kinder Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen lernen und eine gute Förderung ist in diesen Bereichen unerlässlich. Dennoch sollten wir uns klar machen, dass der spätere Berufsweg stark geprägt wird von den Dingen, die die Kinder selbst als Stärken erlebt haben. Und es gibt genügend Berufsfelder, bei denen es auf Dinge ankommt, die man nicht in der Schule lernt. Gebt diesen Dingen Raum, denn Kinder profitieren davon, wenn sie sich selbst als „erfolgreich“ erleben – und zwar auf ganzer Linie! Eine kleine Übung aus der positiven Psychologie, die sich gut im Alltag machen lässt, zum Beispiel beim Ins-Bett-bringen: Einfach mal ein paar Minuten sprechen, was heute gut gelaufen ist, was Spaß gemacht hat. Das Kind kann erzählen – oder Mama oder Papa sagen, was ihnen positiv aufgefallen ist. Das stärkt das Selbstbewusstsein, schafft Nähe und gibt einen Einblick in die Dinge, die dem Kind wichtig sind.

Warum bekommen Schwächen so viel Raum in der Schule?

Wir Eltern übernehmen oft den defizitorientierten Blick, den das Schulsystem auf Kinder hat, ohne darüber nachzudenken. Beispiel? Was steht unter einem Diktat? Da steht nicht „67 Wörter richtig geschrieben!“ sondern „5 Fehler“. Und was machen wir Eltern? Genau, wir schauen natürlich, welche Wörter falsch geschrieben wurden und sagen Dinge wie „Du weißt doch, dass man ‚Giraffe‘ mit zwei ‚f‘ schreibt, das haben wir doch bei den Hausaufgaben geübt.“ Motivation geht sicher anders, ich nehme mich da nicht aus…

Selbstverständlich ist es Aufgabe der Schule und der Eltern danach zu schauen, was dem Kind Probleme bereitet und an welchen Stellen es Unterstützung benötigt. Viel wichtiger ist es aber auch, die Sachen, die ein Kind gut macht, in denen es sich anstrengt und für die es motiviert ist, im Blick zu behalten – und dabei nicht nur die klassischen Leistungsbereiche, sondern auch seine Persönlichkeit zu sehen. 

Ein bisschen ärgere ich mich beim Schreiben schon darüber, dass sich ein Großteil dieses Beitrages bisher vor allem um vermeintliche Schwächen gedreht hat. Dabei wird eine Schwäche erst dann zu einer, wenn sie als solche bezeichnet wird. Und die Schule ist da leider ein schlechtes Vorbild, das zu dem die Eltern noch verunsichert. Doch wie können wir das vermeiden? Wie immer sind hier pauschale Tipps schwierig, denn jedes Kind und jede Familie ist anders. Dennoch versuche ich hier ein paar Dinge aufzuführen, die geeignet sein können, den Druck von den Kindern und den Eltern zu nehmen.

Herausforderungen im Schulalltag

Wenn man allerdings das Gefühl oder sogar die Rückmeldung der LehrerInnen hat, der Sohn oder die Tochter kommen nicht richtig mit oder haben Probleme beim Lernen, dann hilft auch das schönste Bild oder der tollste Sportpokal nicht. Diese „Mängel“ beschäftigen uns als Eltern und wir überlegen, was wir tun können. Was ganz selten hilft, ist Druck aufbauen:  Hobbys streichen, stundenlanges Üben statt Freunde treffen, Fernsehverbot – alles gute Mittel, wenn man möchte, dass das Kind keine Lust mehr auf Lernen und Schule hat. Stattdessen kann es hilfreich sein, genau hinzuschauen, woher die vermeintlichen Probleme kommen. Sind es kurze Konzentrationsspannen? Braucht es mehr Übung? Werden Hausaufgaben im richtigen Umfeld erledigt oder gibt es zu viel Ablenkung? Hat es manche Dinge einfach noch nicht verstanden und braucht weitere Erklärungen? Ich gebe zu: Das ist schwierig – vor allem hat man als Mutter oder Vater meist einen sehr subjektiven Blick auf sein Kind und keinen Überblick über mögliche Lernmethoden. Im besten Fall bekommt man Tipps von den LehrerInnen, wie man die Tochter oder Sohn unterstützen kann. Und dann heißt es ausprobieren: Vielleicht ist es besser, die Hausaufgaben zusammen zu machen oder eine Hausaufgabenbetreuung in Anspruch zu nehmen? Für die Rechtschreibung ist es vielleicht lohnender, mehr zu lesen als stundenlang Diktate zu üben? Oder hilft es, sich erst beim Sport auszupowern, bevor man an die schwierigen Aufgaben geht? 

 

Vertrau Deinem Kind! Leistungen und Bewertungen einordnen

Mein ganz persönlicher Tipp – und ich hoffe, dass mir die PädagogInnen den nicht in der Luft zerreißen: Wenn die Kinder Noten bekommen haben, habe ich immer gefragt: „Bist Du zufrieden damit?“ Und zwar ohne einen kritischen Unterton, sondern mit der Betonung auf dem „Du“. Meist kommen wir dann in ein Gespräch und ich erfahre, ob die Arbeit aus ihrer Sicht gut lief, die Aufgaben schwierig waren oder auch „dass der Lehrer die Fragen immer so komisch stellt, dass man die gar kapiert.“ Das hilft mir sehr, ein Gefühl zu entwickeln, wo das Kind momentan steht und ob es Unterstützung braucht. Ich glaube, es ist wichtig, Kindern zu zeigen, dass einen nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg dahin interessiert. Wenn man das weiß, kann man die ganzen Bewertungen und Rückmeldungen einordnen und so Vertrauen in das Kind und seine Leistungen aufbauen. 

Wie macht ihr das in der Schule? Was ist Euch für Eure Kinder wichtig?

 

Geschrieben von Lia Gänzler für KidPick

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